Jubiläum 1996/ Die Vespa, Mutter aller Motorroller, wurde sechzig
Sie rollt, und rollt, und rollt, und . . .
Oft kopiert, aber nie erreicht - als Mutter aller Roller gilt die Vespa seit langem als Synonym für Motorscooter schlechthin. Nach zahlreichen Höhen- und auch Sturzflügen ist die Vespe heute 50 Jahre nach dem Stapellauf des weltweit ersten Motorrollers aktueller denn je.

 Die Erfolgsgeschichte der Vespa begann in den Wirren der Nachkriegszeit im toskanischen Pontedera in der Nähe von Pisa. Nachdem die Produktionsanlagen des italienischen Flugzeugbau-Unternehmens Piaggio durch die allierten Luftangriffe weitgehend zerstört worden waren, suchte der gleichnamige Firmeninhaber, Enrico Piaggio, nach einem möglichen, kostengünstigen Produkt mit Nutzwert für breite Verbraucherkreise.


Unter Leitung von Flugzeug-Ingenieur Corradino d'Ascanio wurde ein Fahrzeug mit tragender Karosserie und direktem Antrieb entwickelt. Die Gangschaltung wurde in den linken Lenkergriff verlegt, und zum einfacheren Reifenwechsel konstruierte man eine bei Flugzeug-Fahrwerken übliche einseitige Radaufhängung und verstaute unter der linken Heckverkleidung ein ausgewachsenes Reserverad. Durch die markante, noch heute rollertypische Karosserieform mit breitem Beinschild und ebenso breiter Fussauflage sowie kompakter Motor- und Heckverkleidung wurde der angestrebte Fahrerschutz erreicht.
Als Enrico Piaggio den ersten, durch sein breites Mittelteil und die schmale Taille äusserst eigenwillig ausschauenden Prototypen MP6 beurteilt, meint er dazu: «Sieht aus wie eine Wespe». - Damit war auch der Name des ersten Motorrollers von Piaggio bestimmt . . . Die Serienproduktion (2000 Einheiten) begann im April 1946.

Das Konzept der Vespa setzte sich auf Anhieb durch. Im ersten Jahr wurden bereits rund 2500 Vespas produziert, ein Jahr darauf 10'500, und im dritten Jahr waren es bereits über 20'000 Stück.
1950 wurde in den Hoffmann-Werken in Lintorf (D) die erste Lizenzfabrikation aufgenommen, was die Gesamtproduktionsziffer auf 60'000 Roller steigerte. Es folgten Produktionsaufnahmen in Douglas (GB) und Paris, was die Jahresbilanz auf 171'200 Fahrzeuge steigerte.

Bereits 1947 rollten auch die ersten Vespas in der Schweiz. Das weitreichende Kundendienstnetz dehnte sich immer weiter in ganz Europa aus und wurde laufend dichter. 1953 bemühten sich weltweit bereits 10'000 Service-Punkte um die Roller. Und im gleichen Jahr feierten die inzwischen gegründeten Vespaklubs bereits ihr 50'000. Mitglied. Mitte der 50er Jahre wurde die Vespa in 13 Ländern hergestellt und in 114 Ländern vermarktet - sogar in der Sowjetunion wurden Vespas produziert und gefahren.
Eine Vespa zu fahren, wurde zum Sinnbild für Freiheit. In den 50er Jahren prägte dieses Vehikel den Lebensstil seiner Zeit und wurde allenthalben salonfähig - selbst im gesellschaftlichen Bereich wurde der neue Roller zum begehrten und unverzichtbaren Objekt. Renommerite Film- und Showgrössen wie Garry Cooper, John Wayne, Audrey Hepburn, Raquel Welch, Ursula Andress, Geraldine Chaplin und viele andere schwangen sich auf ein «Wäschpi» und liessen sich bereitwillig für Werbezwecke ablichten.
1956, also nur gerade zehn Jahre nach ihrem Entstehen, lief bereits die einmillionste Vespa vom Band. Pontedera, der kleine Ort nahe Pisa, ist längst zur «Vespa-City» geworden. Das Werkareal ist von 4800 auf 44'600 m2 angewachsen, die Mitarbeiterzahl von 136 auf knapp 7000. 1965 starb Enrico Piaggio.
In den 70er Jahren hatte die Vespa mit allerhand Schwierigkeiten zu kämpfen. Europa im Autofieber begann den Roller zu vergessen und wandte sich dem Vierradvehikel zu. Trotz dieses Einbruchs konnte 1988 die zehnmillionste Vespa ausgeliefert werden. Heute hat die Produktionsziffer die 15-Millionen-Grenze bereits überschritten und reiht sich in der Motorwelt in der Kategorie von VW Käfer und Ford T ein.
Vom Rollerboom, der seit Ende der 80er Jahre ungebrochen anhält, wird die Vespa - nicht aber deren Hersteller Piaggio - richtiggehend überfahren. Der flippig und frech gestylten Fernost-Konkurrenz, welche vor allem vom jugendlichen Publikum bevorzugt wird, hat die eher konservativ wirkende Vespa wenig entgegenzusetzen. Durch die Trendwende der letzten beiden Jahre sind klassische Modelle, vor allem aber das Original wieder stärker gefragt. Dadurch liegt die gute alte Vespa auf einmal wieder hoch im Kurs!
50 Jahre / Stationen der Vespa-Geschichte
Mit kleinen Schritten. Bis zum heutigen Datum wurden Vespas in annähernd einhundert verschiedenen Versionen produziert. Die nachfolgende Zusammenstellung präsentiert die bedeutendsten Entwicklungsschritte der Vespa mit jenen Modellen, welche die Geschichte der Mobilität auf zwei Rädern massgebend mitbestimmt haben.

 

  • 1946, Vespa 98: Sie leistet 3,2 PS und ist rund 60 km/h schnell.

    1953, Vespa 125: Mit 5 PS Leistung jetzt 75 km/h schnell. Der Scheinwerfer wird nicht mehr auf dem Kotflügel, sondern oberhalb des Lenkers montiert.

  • 1955, Vespa 150 GS: Zahlreiche Neuerungen wie 150-ccm-Motor, Vierganggetriebe, langer Doppelsattel, verschalte Lenker-/Scheinwerfereinheit, 10-Zoll-Räder, 100 km/h Spitze.

  • 1964, Vespa 50: Die erste «kleine Vespa» mit dem 50-ccm-Aggregat.

  • 1965, Vespa 180 GS: 181,14 ccm Hubraum ergaben 10 PS Leistung und 105 km/h Spitze.

  • 1968, Vespa 125 Primavera: Eine der beliebtesten Vespas. Das neue 125er Triebwerk ist durchzugs- und leistungsstärker.

  • 1970, Vespa 150 Elestart: Die erste Vespa mit Elektrostarter.

  • 1972, Vespa, 200 Rally: Sie erreicht dank 12,35 PS eine Spitze von 116 km/h.

  • 1976, Vespa Primavera ET3: Das Kürzel steht für elektronische Zündung und die drei Einlasskanäle des leistungsgesteigerten Einzylinder-Motors.

  • 1978, Vespa P 125 X: Neue Karosserie und moderne Technik leiten entscheidenden Schritt in der Vespa-Geschichte ein.

  • 1978, Vespa P 200 E: Das für Zweitaktmotoren nötige Öl muss erstmals nicht mehr dem Treibstoff beigemischt werden.

  • 1983, Vespa PK 125: Das Nachfolgemodell der Primavera bekommt eine neue Karosserie. Lancierung der Motorvarianten PK 50 und PK 50 S, beide mit Vierganggetriebe und Elektrostarter.

  • 1984, Vespa PK 125 Automatica: Das erste Modell mit Automatikübersetzung und zwei Handbremshebeln.

  • 1985, Vepa T5 Pole Position: Mit Aluminiumzylinder und fünf Einlasskanälen die stärkste aller Vespas.

  • 1989, Vespa Cosa 125: Die vorläufig letzte Vespa bietet moderne und zeitgemässe Karosserie und Technik. Sie ist auf Wunsch mit Antiblockier-Bremssystem zu haben.

 

ACMA

 

Als die Produktion in Fourchambault, Frankreich 1950 beschlossen wurde, importierte man vorerst fertigmontierte Vespa V15 (Gestängeschaltung) aus italienischer Produktion und stattete diese mit den für Frankreich typischen Änderungen aus. So gab es von Anfang an eine spezielle Finne am vorderen Kotflügel und einen in Frankreich beschafften Hauptscheinwerfer (Marke Auteroche) mit gelber Glühbirne. Das Rücklicht entspricht dem der italienischen V15. Da es in Frankreich üblich war die Buchstaben des Kennzeichens nach erfolgter Zulassung selbst aufzumalen, war hinten ein mattschwarzes Blech angebracht und vorne am Kotflügel, jeweils auf der linken und rechten Seite, ein schwarzer, halbrunder Kennzeichenstreifen lackiert.  Das Typenschild war noch nicht an späterer Stelle (Hinterseite der Frontschürze), sonder befand sich im hinteren Gepäckfach. Obwohl ab 1951 schon ein großer Teil der verwendeten Teile aus eigener Produktion stammte, wurde immer noch vieles aus Italien ergänzt. Mit Beginn der Eigenproduktion stattete man die Fahrzeuge (V 31) mit der Seilzugschaltung, einer neuen Vorderradaufhängung und der A.C.M.A. Typenplakette mit Motor- und Chassisnummer auf der Hinterseite der Frontschürze aus. 1951 gab es ein rechteckiges Rücklicht mit Glaseinsatz. Schon 1952 waren alle Teile aus französischer Produktion.

1952 wurde ein Tachometer in die Lenkerbrücke integriert. 1953 Wurde der Lenkerkopf verändert (Gehäusekopf mit Tacho) und das Rücklicht mit mittelstehendem Kreis und zwei Seitenflügeln eingeführt. Das Modelljahr 1953 war außerdem das Letzte mit nach unten offener Motorbacke.

(quelle : ACMA-AT)

 

Russland

Das einzige Land welches keine Lizens erwarb, jedoch ebenfalls "Vespas" produziert war Russland . Dort lief eine Kopie der Vespa GS1 unter dem Namen Vijatka

Heute sind diese Nachbauten sehr rar geworden, da sie reine Nutzfahrzeuge waren und somit nach Gebrauch weggeworfen wurden.